Die Kapelle neben dem Stullner Rathaus

Die schlichte Kapelle direkt neben dem Rathaus an der Staatsstraße 2156 erinnert an das Versprechen, das zwei Stullner Familien während des Kriegs 1870/71 gegeben hatten, in dem sich Frankreich und die deutschen Staaten unter der Führung Preußens gegenüberstanden. „Zur dankbaren Erinnerung an die Wiederkehr der Krieger Johann Wilhelm und Josef Breitschaft“, lesen wir auf einem der Bilder, mit denen das Innere die Kapelle geschmückt ist. Durch das stets vergitterte Fenster in der Eingangstür fällt der Blick auf einen einfachen Altar. Die Gottesmutter trägt das Jesuskind auf ihrem Arm, darunter in einer Nische, ein geschnitzter Leichnam Jesu. Die Wände zieren weitere Bilder: Maria mit dem Christuskind, der heilige Josef mit dem Christuskind und eine Madonna in einem Holzrahmen.

Ein- bis zweimal im Jahr rückt die Kapelle in das Bewusstsein der Gläubigen. Bei der Fronleichnamsprozession durch das Dorf wird hier ein Altar errichtet, und bei dem alljährlichen Flurumgang werden auch hier die Fürbitten gebetet.
 

Dieses Foto von der Kapelle entstand 1952, als nach der Erhebung Stullns zur Expositur zum erstenmal eine Fronleichnamsprozession in Stulln stattfand.

Die erste Fronleichnamsprozession 1952 in der Kirchstraße, im Hintergrund das Anwesen Luber.

   

Die beiden Bilder vermitteln einen Eindruck, mit welchem Gepränge (Prangertag) der Feiertag damals begangen wurde. Die Altäre waren noch aufwändiger dekoriert als heute, die Häuser nicht nur weiß-blau beflaggt, sondern zusätzlich mit Heiligenbildern, goldgefassten roten Tüchern, Girlanden, Blumen und weiß-gelben Fähnchen geschmückt. Den Prozessionsweg hatten fleißige Hände in aller Frühe mit Schilf bestreut, und im Birkenspalier fanden sich kaum Lücken. "Der Duft von Blumen und frischem Grün durchströmte das Dorf".

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