Geschichte des Bergbaus im Wölsendorfer Flussspat-Revier

Mit Unterbrechungen, aber über fünf Jahrhunderte zurück geht die Bergbautradition im Wölsendorfer Revier. Die bergmännischen Unternehmen und Untersuchungsarbeiten galten dabei verschiedenen Rohstoffen. In zeitlicher Folge hat man geschürft nach:

Zeitweise wurde auch Kohle (Braunkohle) abgebaut, dies ist jedoch nicht Gegenstand dieser Betrachtungen.


Der Silber-Bergbau im Wölsendorfer Revier

Uralte Aufzeichnungen berichten vom Silberbergbau, vermutlich ab ca. 1450. Die älteste heute bekannte Urkunde ist auf den 09.03.1472 datiert: Ein Hans Schmelzer (Nabburg) überläßt Kurfürst Friedrich die Hälfte seines 8. Teils an "dem neuen Silberbergwerk zu Nabburg".

Im Gesamtbild der historischen Entwicklung ist zu bemerken, dass in der Zeit von ca. 1450 bis 1550 Deutschland führender Silberproduzent der (damals bekannten) Welt war. Das "Währungs-Leitmetall" war spätestens nach der Jahrtausendwende nicht mehr (nur) Gold, Silber hatte den Einzug in die Geldbeutel gefunden. Vorkommen von Silber, selbst jene mit geringen Erz- und Edelmetallmengen, waren wirtschaftliche und damit machtpolitisch wichtige Faktoren. Um den Bergbau "anzukurbeln" wurden Dekrete (Bergordnungen und Bergfreiheiten) erlassen, die den Grubenbetreibern Schutz und Vorteile (z.B. befristete Steuerfreiheit, Zollfreiheit, z.T. Jagdrechte, Fischereirechte, usw.) versprachen. Das Bergrecht war sehr hoch angesetzt, über dem Eigentumsrecht! Das verfehlte seine Wirkung nicht. LORI ("Sammlung des baierischen Bergrechts", München 1764) schreibt: "im 15. Jahrhundert ist der Bergbau in ganz Bayern auf einmal rege geworden". Für das Revier wurde die "Ordnung über die Bergwerke zu und um Altfalter" am 27.04.1534 erlassen. In der Urkunde sind ausdrücklich genannt:

  • zu Altfaltern
  • am Weltzenberg
  • am Kulch bey Schwartzenfeldt
  • am Heiligen geist bey Nabpurg
  • am Wernfels

Da eindeutige genaue Ortsbeschreibungen oder gar brauchbare Karten fehlen (und die historischen Dokumente aus dieser Zeit spärlich sind) ist nur für wenige Bergwerke eine Zuordnung an die in jüngerer Zeit im Gelände gefundenen und dokumentierten Anlagen möglich. Bekannt sind:

  • Venezianerschacht bei Lissenthan
  • Acricolaschacht bei Stulln
  • (Venezianer-) Stollen am Wölsenberg
  • Zwergenlöcher am Kulch bei Schwarzenfeld
  • Gruben bei Altfalter

Übertägig sind sicher ebenfalls Versuche gemacht worden, jedoch hat der nachfolgende Bergbau auf Blei und Flußspat die Spuren stark verwischt. Auch mögen einzelne kleine Gruben verfallen und vergessen worden sein. Über den Erfolg und die geförderten Mengen gehen die Meinungen nur wenig auseinander. Bleiglanz, nur im südöstlichen und mittleren Revierteil in nennenswerter Menge in den Quarz- und Flußspatgängen auftretend, enthält nämlich nur geringe Mengen an Silber (0,03 %) wie wir durch moderene Analysen wissen. Reicher Bleiglanz, wie aus dem Oberharz bekannt, enthält dagegen bis zu 2 % Silber, 0,05 % galten selbst in dieser arbeistkostengünstigen Zeit als allerunterste Grenze um rentabel zu sein. Da oberflächennahe Anreicherungszonen ("Zementationszonen" und "Oxidationszonen", wie sie in anderen Erzregionen öfters auftreten) hier fehlen kann aufgrund des heutigen Erkundungsgrades des Reviers ein kostentragender Bergbau auf Silber in jener Zeit mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Diese These unterstützen einerseits die Aufrisse der gefundenen Grubenbaue, andererseits sind z.B. vom Kulch bei Schwarzenfeld durch Urkunden Zahlen überliefert, die genau das untermauern. Dem entgegen steht ein einziger - aber beachtlicher - Fund von ged. Silber (vermutlich von der Grube Roland) aus jüngerer Zeit. Andererseits, in bisherigen Betrachtungen vieleicht unterschätzt, konnte auch das beigewonnene Blei verwertet werden. Mit Sicherheit bestanden nämlich um 1500 anderenorts schon zahlreiche Bleierzgruben (z.B. bei Freihung westlich Weiden). Wenigstens in einem Fall wissen wir, dass das Erz nicht vor Ort verhüttet wurde (im Oktober 1502 schicken die Gewerken der St. Wolfgangszeche zu Schwarzenfeld einige Zentner Erz ihres Bergwerks nach Erbendorf, damit ihr Erz dort in der Hütte geschmolzen werde).  Wie sah nun die Verhüttung aus? Blei wurde aus Bleiglanz durch ein zweistufiges Röst-Reduktionsverfahren gewonnen. Hierbei wird das Erz zunächst geröstet. Danach wird das überwiegend aus Bleioxid bestehende Röstgut in einem Schachtofen mit Kohlenstoff (in der Regel mit Holzkohle) und schlackebildenden Zuschlägen zu Blei reduziert. Dieses Verfahren - bereits seit der Antike bekannt - liefert ein "Reichblei", das neben Blei auch noch Silber, Kupfer  und andere Elemente enthält. In einer zweiten Stufe wurde dann das Silber vom Blei getrennt. Dafür boten sich mehrere Verfahren an: Einmal kann, wenn Luft in geschmolzenes Reichblei geblasen wird, das Bleioxid (Bleiglätte) von der Oberfläche abgezogen werden, zweitens kann durch Ofenauskleidungen, die schwammartig die Bleiglätte aufnehmen (Knochenasche), eine Anreicherung und Abscheidung herbeigeführt werden. Im Wölsendorfer Revier fehlen entsprechende Hinweise und Geländebefunde mit Schlackenhalden, was die These, dass es sich nur um Versuchsbergwerke gehandelt hat, bekräftigt.


Der Blei-Bergbau im Wölsendorfer Revier

Der Bleierz-Bergbau mit seinem Schwerpunkt im südöstlichen Revierteil um Altfalter und Krandorf war nur von kurzer Bedeutung, so etwa in der Zeit von 1712 bis 1717.  Mit der Verstaatlichung und Stillegungsbefehl (1717) kam schnell das Aus. Blei hatte aber "strategische" Bedeutung, man denke nur an das Flintenblei. Kleinere Versuche, zuletzt 1780 am Wölsenberg und 1916-1920 im Butzwinkel waren nicht erfolgreich.

Vieles, unter der der Überschrift "Silberbergbau" geschriebene könnte hier wiederholt werden, da ja das Haupt-Bleierz  (der Bleiglanz) zugleich das Silbererz war. Einen tieferen Einblick in die Umstände und Probleme des Bleierzbergbaus finden sich zeitnah dargelegt bei FLURL, M., "Die Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz", München, 1792. Vom Mineralgehalt her gesehen kamen für den Bleibergbau nur Gänge in Betracht , die oberflächennah und reichlich Bleierz (also Bleiglanz und die daraus entstandenen sekundären Bleimineralien Cerussit und Pyromorphit) führten. Da dies nur bedingt und auch nur im südöstlichen, teilweise auch noch im zetralen Revierteil der Fall ist beschränkten sich die Unternehmungen auf diesen Bereich.

  • Dreifaltigkeitszeche (bei Weiding)
  • Erbstollen St. Ignatz (bei Weiding)
  • Grube bei Krandorf ("Krondorf"), 1712-1717 in Betrieb
  • Grube bei Pretzabruck
  • Grube(n) bei Altfalter
  • Versuchstollen am Wölsenberg

Wenn FLURL diese Bergbau-Periode als "wenig merkwürdig" bezeichnet so trifft das insgesamt natürlich zu. Es waren - verglichen mit anderen Bleierzgruben (z.B. Freihung westlich Weiden) eher nur Untersuchungsarbeiten. Die harte Beurteilung durch FLURL half da im nachhinein auch nicht weiter: "Würde man in Sachsen, auf dem Harze und in anderen im Bergwesen mehr kundigen Ländern den Bergbau allemal auflassen, wenn die Erze einmal ausgesetzt haben, so wäre in wenigen Jahren alle Stollen und Schächte öde, und der ganze Bergbau niedergelegt. Gute Nacht dann, liebes Teutschland!"

Die Einstellung des Bergbaus kam übrigens auf Befehl von oben: 1715 wurden die Gruben verstaatlicht, danach, als es eher schlechter als besser ging, am 05.02.1717 auf kurfürstlichen Befehl stillgelegt. Nur ganz minimal wurde nun von privater Seite noch weitergearbeitet.

Der deutsche Bergbau blüht - nach den gewonnenen Befreiungskriegen (1813-1815) - kurzfristig aber kräftig auf und auch neuerliche Bergbauversuche am Bleiloch und am Kulch bei Schwarzenfeld werden in den Jahren 1815/19 unternommen - freilich ohne Erfolg - und bald wieder eingestellt.

Allerletzte Blei-Bergbau-Versuche dürften jene in der Zeit zwischen 1916 und 1920 im Butzwinkel bei Krandorf gewesen sein. Eine Sortierung des mitgeförderten Bleiglanzes im Flussspatbergbau scheiterte an den geringen Mengen und der Unstetigkeit des Blei-Erzes in den Gängen. DRECHSLER berichtet 1925 noch von 10-20 t Bleierz (pro Jahr), hauptsächlich auf der "Kuppel" (mit-) hereingewonnen.


Der Flussspat-Bergbau im Wölsendorfer Revier

Ab etwa 1850 war der bis dahin fast wertlose Flußspat plötzlich gesuchter Rohstoff. Der Bergbau blühte auf, zahlreiche Kleinbetriebe wurden gegründet. Ältester urkundlich belegter Flußspatabbau dürfte jener von (vor) 1823 (Bauer Rosner) im späteren Baufeld der Grube Hanns gewesen sein.  Die Verwendung von Flußspat für metallurgische Zwecke ab Ende des 19. Jahrhunderts trieb die Nachfrage in die Höhe. Begünstigend kam die verkehrstechnische Erschließung (1863 Bau der Eisenbahnstecke Regensburg Weiden genau durch die Reviermitte) hinzu.  Abgesehen von wenigen Bergwerken wurde der Flußspat vor der Jahrhundertwende hauptsächlich oberflächlich in Brüchen (und Schürfgruben) von den Grudbesitzern selbst gewonnen.

  • Staatsbruch (am Wölsenberg)
  • Weberbruch (am Wölsenberg)
  • Pfeifferbruch (am Wölsenberg)
  • Zimmermannsche Grube (am Mühlberg)
  • Graf'sch Grube (bei Lissenthan)
  • ...

Ab ca. 1880 setzt, wie K. WEISS schreibt "unternehmerischer Flußspatbergbau" ein. Systematisch werden von Unternehmern Grundstücke aufgekauft, Schächte abgeteuft und Strecken aufgefahren. Man ging also zum Tiefbau über.

Mehr noch als der erste Weltkrieg hatte die Weltwirtschaftskriese (1929) negative Folgen für den Flußspatbergbau und viele Betriebe gingen zu Grunde. Damals ging die industrielle Gesamtproduktion in Deutschland in wenigen Monaten um mehr als 60% zurück, die Arbeitslosenzahl vervierfachte sich in kürzester Zeit. Flußspat als Rohstoff war praktisch nicht mehr abzusetzen.

Erst im Dritten Reich, als Flußspat aus eigener, deutscher Förderung für die Rüstung wieder zum wichtigen Rohstoff wurde erinnerte man sich an die oberpfälzer Vorkommen. Jetzt wurden Kleinbetriebe aufgekauft und unter staatlicher Leitung "vereinigt". Zahlreiche Prospektionsarbeiten geben zu neuen Unternehmen Anlaß. Bis kurz vor Kriegsende läuft die Flußspatförderung unter Volldampf. Hintergrund war u.a. die Entwicklung z.B. von Raketentreibstoffen mit Chlortrifluorid-Zusätzen (ClF3).

Mit Ende des II. Weltkrieges bricht aufgrund von amerikanischen Bombenangriffen das Stromnetz zusammen, die Pumpen stehen still - und alle Gruben saufen ab. Andererseits hat man wenigstens eine Grube (Erna) angesichts der näherrückenden Amerikaner im April 1945 absichtlich absaufen lassen, nachdem man dort mehrere Tonnen Silber eingelagert hatte (Der Spiegel, Nr. 51, 1981, S. 65).

Die ersten Nachkriegsjahre standen ganz im Zeichen des "Wirtschaftswunders". Die Löhne waren günstig, die Lagerstätten gut erschlossen und die Industrie benötigte für immer neue Produkte den Rohstoff Flußspat. Bis zu 10 % der Weltjahresproduktion kamen aus Wölsendorf, bis zu 1000 Kumpel schafften unter Tage. Die Grube Cäcilia war die "größte Flußspatgrube der Welt". In der Dekade zwischen 1959 und 1960 wurde ca. eine Million Tonnen Flußspat erzeugt. Die immer mehr an Bedeutung gewinnende chemische Industrie benötgt reinsten Flußspat (bzw. Flußsäure), Aufbereitung und Veredelung gewinnen hohen Stellenwert. Zeitweise -aber nur auf wenigen Gruben- wird auch der mitgeförderte Baryt (Schwerspat) verwertet, niemals jedoch mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung (mangels Reinheit).

Doch schon in den 60-er Jahren wird erkennbar dass sich die Flußspat-Vorräte langsam aber sicher erschöpfen. Es begann ein Teufelskreislauf: Einserseits stiegen die Kosten mit zunehmender Teufe, mit geringeren Spatmächtigkeiten, mit höheren Löhnen und durch teuere Untersuchungsarbeiten (Prospektion und Exploration). Andererseits sank der Weltmarktpreis für Flußspat durch kostengünstige Tagebauförderung im Ausland (in Niedrig-Lohn-Ländern). Das "Grubensterben" begann:

Roland: 1961
Johannesschacht: 1962/63
Gisela: 1963
Hanns: 1963
Heißer Stein: 1973
Erika: 1973
Cäcilia: 1973
Marienschacht: 1979
Helene: 1987
Hermine: 1987

So neigte sich der Flußspatbergbau in den 70-er Jahren immer mehr dem Ende entgegen, ohne dass neue Hoffnung bestand. Selbst neue Verfahren, wie etwa die Förderung ohne Schachtgerüst mittels Seilbagger, brachten keine Wende. Am 27. Mai 1987 wurde mit der letzten Schicht auf der Grube Hermine der Flußspatbergbau im Revier endgültig eingestellt.


Der Uran-Bergbau im Wölsendorfer Revier

Zwar war das Ende des Flussspatbergbaus spätestens Ende der 60-er Jahre abzusehen, doch keimten im nun angebrochenen Atomzeitalter neue Hoffnungen. Schon etwa ab dem Jahr 1948 wurde in Bayern systematisch nach Uran gesucht.

Der erste Fund von Uran in Bayern (1804) überhaupt stammt aus dem Wölsendorfer Revier. Im Laufe vieler Jahre wurden von Wissenschaftlern und Mineraliensammlern in den Flussspatgruben eine ganze Palette von Uranmineralien gefunden. Neben den bunten sekundären Uranmineralien wurde sogar im Anstehenden einiger Gänge Pechblende als primäres Erzmineral angetroffen. Auch deswegen rückte das Wölsendorfer Flussspatrevier schnell in den Fokus der Uranprospektion.

Zahlreiche Messungen und einige Untersuchungsarbeiten bestätigten einen stellenweise erheblichen Urangehalt in einigen Gängen. Das Auftreten von Uranerz ist  an den zentralen Revierteil gebunden. Mittels geochemischer und geophysikalischer Verfahren, teilweise auch schon mehr oder weniger erfolgreich zur Flussspat-Prospektion eingesetzt, wurde das Revier eingehend untersucht.

Das Ergebnis war - im nachhinein betrachtet - mehr als ernüchternd. Mit steigendem Erkundungsgrad wurden die möglichen (Gesamt-) Uranvorräte immer geringer eingeschätzt. Dazu kam die weltpolitische Lage (ein erheblicher Teil der Uranförderung ging in die Atomwaffenproduktion) und der Weltmarktpreis selbst. Anfängliche Bestrebungen, durch Aufsuchung und Sicherung inländischer  Vorkommen von Importen unabhängig zu sein wurden schnell aufgegeben. Der Uran-Weltmarktpreis sank nachhaltig und praktisch mit jedem irgendwo neu gefundenem Vorkommen. Selbst vor der Wende waren die (reichen) DDR-Vorkommen (Wismut) nicht annähernd kostentragend ausbeutbar. Da selbst in den letzten zehn Jahren der Preis für U3O8 stetig gefallen ist (Ost-West-Entspannung!) hat man hat man keinerlei Aussicht hier zu einem Abbau zu kommen, die seltenen Wölsendorfer Uranmineralien werden also nur von wissenschaftlichen und mineralogischem Interesse bleiben. Nach heutiger Betrachtungsweise hätte lediglich ein einziger Gang (der Barbaragang) überhaupt die Bezeichnung "Uranlagerstätte" verdient. Die Mehrzahl der Gänge ("helle Gänge") hatte sogar einen niedrigeren Urangehalt als der umgebende Granit. Lediglich manche "dunklen Gänge", also dort wo der Flussspat durch Radioaktivität verfärbt ist, enthalten nennenswerte Uran-Konzentrationen. Durch sehr aufwendige Untersuchungen wurde eine für eine Gewinnung ungünstige ungleichmäßige Verteilung der Uranerzführung festgestellt. Die Pechblende findet sich in "Nestern", "Taschen" und "Neben-Gängchen", und konnte versuchsweise weder durch Handverlesung noch elektronisch rationell getrennt werden.  Die große Zahl der Bohrungen (viele tausend Meter), großzügige Steckenauffahrungen und Messungen unter- und übertage haben zwar keine abbauwürdige Uranerzlagerstätte gefunden, jedoch unser Wissen über das Wölsendorfer Revier erheblich erweitert.


Autor: Berthold Weber, Weiden

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