"Maria Brünnl" - Kirche

Auf halbem Weg von Stulln durch das "Haberstroh" nach Nabburg liegt auf einer Anhöhe, die hier das Naabtal nach Westen hin begrenzt, im Wald verborgen das Brünnl-Kirchlein. Es steht auf Stullner Gemeindegrund, ist aber Nebenkirche der Pfarrei Nabburg. "Maria Brünnl" war einst Wallfahrtsort und ist der "Heiligsten Dreifaltigkeit und Maria Himmelfahrt" geweiht.
 
Am Fuß des Berges, wenige Schritte unterhalb der Kirche sprudelt seit Jahrhunderten eine heute in Granit gefasste Quelle. Dieses "Brünnl" wurde von Menschen besucht, die ihre Augen mit dem Wasser wuschen und durch die Fürbitte Mariens vorbeugende Wirkung oder Heilung bei Augenleiden erhofften. 1686 errichtete hier der Nabburger Stephan Streitwein eine Kapelle.

1694 wurde mit dem Geld der Wallfahrer das Kirchlein erbaut. Chor und Langhaus haben Tonnengewölbe, Rundbogenfenster unterbrechen die Seitenwände. Der Eingang liegt auf der Ostseite, der Altar im Westen unter dem Türmchen. Diese Besonderheit - bei den weitaus meisten Kirchen liegt der Hauptaltar im Osten - erklärt sich aus der Form des Geländes: Nur durch das Abtragen der Berglehne auf der Westseite hätte sich ein brauchbarer Eingang erstellen lassen. Die Inneneinrichtung ist spärlich, der Altar im Barock-Stil des 18. Jahrhunderts gefertigt.

Das Gnadenbild, eine Kopie des Maria-Hilf-Bildes der Bergkirche zu Amberg, gefasst in einen um 1740 geschaffenen wertvollen Frührokokorahmen, hat unversehrt an der Südwand neben einigen jüngeren Votivbildern die Zeiten überdauert. 1980 wurde es mit den anderen Bildern bei einem Einbruch gestohlen, erst 1986 konnten die Beutestücke in München identifiziert und beschädigt nach Nabburg zurückgebracht werden. Nach kostspieliger Renovierung schmückt das Marienbild jetzt gesichert die Stadtpfarrkirche, um nicht wieder Gauner in Versuchung zu führen.

Nur an zwei besonderen Festtagen kehrt es für die Dauer der Gottesdienste an seinen angestammten Platz zurück: am 15. August, dem Fest Maria Himmelfahrt, im Volksmund dem "Brünnl-Fest", und am Ostermontag, wenn Pferdefreunde aus Nah und Fern mit der Nabburger Geistlichkeit den "Osterritt" veranstalten. Viele Gläubige strömen aus Nabburg und Umgebung zu diesen stimmungsvollen Waldgottesdiensten. Weil das Kirchlein zu klein ist, werden Hochamt und Predigt jeweils im Freien abgehalten. Nach Gebet und Gesang ist für das leibliche Wohl gesorgt, im Sommer brutzelt es  auf den Bratwurstrosten, Bier und andere Getränke werden ausgeschenkt.

Sonst liegt das Brünnl-Kirchlein still und einsam im Wald und bildet das Ziel sonntäglicher Spaziergänger.

Quelle: Rita Scharl, "Ortschronik Stulln"

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