Entstehungsgeschichte der Sankt-Barbara-Kirche

Bis zur Gründung der Expositur am 1. August 1951 besuchten die Stullner jahrhundertelang Sonntag für Sonntag die heilige Messe in Schwarzenfeld. Lediglich an einem Feiertag der Hochfeste des Kirchenjahres und zur Kirchweih kam ein Geistlicher nach Stulln. Schon damals konnte die Stephanuskirche die Gläubigen kaum fassen. Der neue Expositus Melchior Alois Wolf zelebrierte nun drei Sonntagsgottesdienste, dennoch: „Das alte Stullner Kirchlein kommt nur einer größeren Kapelle gleich und ist in dieser Hinsicht für eine Expositur unzureichend.“

Das kleine Gotteshaus zu erweitern wurde wegen seines Standorts von allen maßgebenden Stellen, auch von Erzbischof Dr. Michael Buchberger, und von der überwiegenden Mehrheit der Ortsbewohner abgelehnt. Für die nach dem Zweiten Weltkrieg sprunghaft auf nahezu tausend Katholiken angewachsene Expositurgemeinde sollte eine neue Kirche entstehen. So blieb die um 1500 erbaute Stephanuskirche, Jahrhunderte hindurch einziges Wahrzeichen des Ortes, in ihrer ursprünglichen Form erhalten.

Am 17. Februar 1952 beschloss der Kirchenrat, die neue Kirche auf dem bereits ins Auge gefassten Acker neben dem Pfarrhaus zu erbauen. Vier Architekten wurden mit der Fertigung von Planentwürfen beauftragt, Erzbischof Michael begutachtete jeden einzelnen persönlich. Architekt Gebhart Glatzl von Burglengenfeld bekam schließlich den Zuschlag.

Expositus Wolf rief einen Kirchenbauverein ins Leben. Am 23. Juli 1953 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, nachdem vorher viele freiwillige Helfer mit Pickel und Schaufel, wie damals üblich, den Grund ausgehoben hatten. Ausführende Firmen waren Kunz & Co., München-Amberg, Saffert, Schwandorf, und Eimer, Schwarzenfeld.

Am Kirchweihfest 1953 vollzog H. H. Prälat Josef Hörmann, Regensburg, die feierliche Grundsteinlegung. In seiner Ansprache lobte er den Opfergeist und die Tatkraft der Stullner: 1951 Schulhaus- und Pfarrhofbau, 1952 Anlegung des neuen Friedhofs und nun der Bau der neuen Sankt-Barbara-Kirche, eine dringende Notwendigkeit in dieser aufblühenden Gemeinde.

Am Mittwoch, dem 18. November 1953, wurde Richtfest gefeiert. „Nachmittags um 16 Uhr setzte Zimmermann Eimer, der damit seine größte und schwierigste Arbeit abgeschlossen hatte, das Kreuz auf die Turmspitze der neuen Stullner Kirche. Anschließend versammelten sich die Bauarbeiter mit den Gästen im Saal der Gastwirtschaft Bodensteiner zur Hebefeier.“ Pfarrer Mühlbauer, Schwarzenfeld, gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass die kulturelle Entwicklung Stullns in jeder Weise mit seinem industriellen Aufschwung Schritt halte.

Es wurde ohne Unterbrechung am Bau gearbeitet. Insgesamt waren 36 Firmen beteiligt. So entstand eine Kirche, die in Form und Stil, dem alten Kirchlein zugeordnet, klar und einfach ist, und sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügt. Die Kirche hat eine Länge von 31,5 m, eine Breite von 16 m, die Firsthöhe wird mit 19 m angegeben. Der mächtige Turm, in seinem Grundriss 8 x 8 m, ragt 32,5 m hoch auf, ohne das kupferne Kreuz, das auf einer wuchtigen Kugel steht.

1954 wurden bei Georg Hofweber, Regensburg, drei Glocken gegossen und am 27. Juni durch den Prämonstratenserabt Petrus Möhler in festlichem Rahmen geweiht.

Kurz vor Weihnachten 1954, am 16. Dezember, vollzog H. H. Dekan Stadler aus Weidenthal die Benediktion. Das neue Gotteshaus wurde der heiligen Barbara als Schutzpatronin geweiht und damit ihrer Bestimmung übergeben. Von nun an trafen sich die Gläubigen nur mehr hier zum Gottesdienst. Für die Stullner bedeutete dies, „von dem alten trauten Dorfkirchlein Abschied zu nehmen“. Am 27. Februar 1955 erhielten die 14 Kreuzwegstationen ihren Platz. Die feierliche Einweihung der Kirche stand kurz bevor.

„Am Mittwoch und Donnerstag (18. und 19. Mai 1955) erlebten die Katholiken der aufstrebenden Gemeinde Stulln wieder zwei bedeutsame Tage ihrer Ortsgeschichte. Seine Exzellenz der Hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Michael Buchberger von Regensburg konsekrierte persönlich die neue Sankt-Barbara-Kirche.“ In seiner Dankansprache lobte der Bischof die finanziellen Opfer, die die Menschen in der kurzen Zeit des Bestehens der Expositur gebracht und die nun im Kirchenneubau ihren sichtbaren Ausdruck gefunden hätten. Es sei hauptsächlich das Verdienst von H. H. Expositus Pater Wolf, der nicht müde geworden sei, nicht nur bei den Gläubigen seiner Expositur, sondern darüber hinaus bei vielen Geschäftsleuten und Persönlichkeiten der Umgebung für den Stullner Kirchenbau um Spenden zu bitten.

Am 10. Mai 1956 erhielt die Figurengruppe über dem Hochaltar die Weihe: ein überlebensgroßer Heiland, auf einer symbolischen Weltkugel stehend, unter seinen ausgebreiteten Armen zu seiner Rechten die heilige Barbara und zur Linken der heilige Wendelin. Die Wand über dem Hochaltar zierten bis dahin ein großes Kreuz und die schon bei der Benediktion vorab geschaffene Holzplastik der heiligen Barbara.

Am 26. Mai 1960, Christi Himmelfahrt und fünfter Gedächtnistag der Kirchenkonsekration, erklang zum erstenmal die neue Orgel während eines Gottesdienstes. Sie wurde durch Geistlichen Rat Dr. H. Kammerer, Regensburg, feierlich eingeweiht. Der Kirchenneubau war damit vollendet.

Am 11. März 1958 ernannte die Gemeinde Stulln Erzbischof Dr. Michael Buchberger zu ihrem ersten Ehrenbürger.

Aufgrund der enormen baulichen Entwicklung hat sich der Ortskern von der Stephanus-Kirche zur neuen Kirche hin verlagert. Im Laufe der Jahre sind hier nicht nur die gemeindlichen Einrichtungen wie Schule, Kindergarten, Pfarrheim und die neue Mehrzweckhalle entstanden, sondern auch zwei Banken, Geschäfte, die Poststelle und ein Gasthaus. Zusammen mit dem idyllischen Dorfweiher und dem Platz vor der Mehrzweckhalle ein neuer Mittelpunkt dörflicher Feste und Feiern.
 

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