Aus der Chronik der Volksschule Stulln

Die Zeit vor 1913

Die Anfänge der Schulbildung auf dem Land reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück, genaue Daten liegen im Dunkeln. „Schon bald nach Gründung der Pfarrei dürfte mit dem Schulunterricht begonnen worden sein“. So oder ähnlich lauten die Eintragungen in zahlreichen Chroniken alter Pfarrdörfer. Da der Lehrer auch Kirchendienst zu verrichten hatte, war die Schulstube meist im Mesnerhaus eingerichtet, so auch in Schwarzenfeld und im Nachbarort Schmidgaden. In Ortschaften wie Stulln, die keinen Pfarrer hatten, etablierten sich zum Leidwesen der Schulmeister oft so genannte Winkelschulen, in denen „Elementarunterricht ohne offizielle Lehrbefugnis“ erteilt wurde. Zum Unterricht traf man sich abwechselnd in den Wohnstuben der Gehöfte. Dazu schreibt Rita Scharl in der Stullner Ortschronik u.a.: „Die kleineren Kinder wurden in Stulln ab 1795 von der Tochter des Schmieds unterrichtet, die größeren aus Stulln und Brensdorf mussten nach Schwarzenfeld gehen.“

Erst als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Schulpflicht vom sechsten bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr eingeführt und für alle Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr der Besuch der Sonn- und Feiertagsschule angeordnet worden war, erhielten die Pfarreien eigene Schulhäuser mit Wohnungen für die Lehrer, an deren Bau sich die eingesprengelten Ortschaften beteiligen mussten. Die Gemeinde Stulln gehörte zu zwei Pfarreien: Stulln, Brensdorf und die Säulnhofer Höfe links des Hüttenbachs zur Pfarrei Schwarzenfeld, die restlichen Gehöfte in Säulnhof, Grafenricht und die Einöden Schanderlhof, Vierbruckmühle, Geiselhof und Freiung zur Pfarrei Schmidgaden. Daher musste Stulln für den Bau einer Schule in Schwarzenfeld um 1841 Wiesen verkaufen (lt. Rita Scharl), ein Viertel der Baukosten der 1873 in Schmidgaden errichteten Schule übernehmen und für den Bau der Mädchenschule in Schwarzenfeld 1878 nochmals 8500 Mark zuschießen.

Verständlich daher die Bestrebungen, in Stulln selbst ein Schulhaus zu bauen. Der damalige Besitzer des heutigen Anwesens Wilhelm (Oudl) hätte seinen Garten für einen Schulhausneubau umsonst hergegeben. „Durch einige widerspenstige Bürger, darunter auch der Bürgermeister, wurde die Ausführung dieses Plans vereitelt“ (Aus dem Notizenbuch der Volksschule Stulln).

  Die alte Schule

Im September 1912 begann man dann doch mit einem Schulhausneubau, obwohl die königliche Lokalinspektion Schwarzenfeld, die Distriktschulinspektion Nabburg, die Gemeinden Schwarzenfeld und Schmidgaden gegen die Errichtung einer Schule in Stulln waren. Schließlich wurde der Bau von der königlichen Regierung genehmigt. 1913 war ein Schulhaus mit einem Schulsaal und Lehrerwohnung fertiggestellt. Am 16. November konnte Hauptlehrer Kaspar Hafensteiner mit 81(!) Werkstags- und 30 Feiertagsschülern das neue Gebäude beziehen. Damit beginnt die eigentliche Stullner Schulgeschichte. Sie ist zwar kurz, aber in ihr spiegelt sich der rasche Aufschwung unserer Heimatgemeinde von einem reinen Bauerndorf zu einem ansehnlichen Industrie- und Wohnort wider, der um die Jahrhundertwende begann.

 

Die Nachkriegszeit

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde am 3. Oktober 1945 der Unterricht in Stulln wieder aufgenommen, es war die erste Schulstelle im ehemaligen Landkreis Nabburg. Die Schülerzahl wuchs durch den Zuzug von ausgewiesenen sudetendeutschen Familien wöchentlich. Die zwei Barackenlager, das Reichsarbeitsdienstlager und das Ostarbeiterlager „Waldfrieden“ waren voll belegt. Zu Beginn des Schuljahres 1946/47, als der Geburtsjahrgang 1940 eingeschult wurde, war die Zahl der Kinder auf 135 angestiegen. Es musste in drei Abteilungen unterrichtet werden, die wegen Lehrermangels zunächst von einer Lehrerin allein geführt werden mussten. Da nur ein Schulraum zur Verfügung stand, wurde im Frühjahr 1947 im „Speisesaal“ des RAD-Lagers ein Notschulraum eingerichtet.

Die Not der Familien war groß. „Ab 1.5.1947 wird in Bayern ebenso wie in der übrigen US- und in der britischen Zone eine Schulspeisung durchgeführt, deren Kosten einstweilen von den Gemeinden getragen werden. Die Kosten für eine Mahlzeit einschließlich der Naturalkosten dürfen 0,25 Reichsmark nicht übersteigen. Sie sind von den Eltern und Erziehungsberechtigten der gespeisten Kinder, soweit sie dazu in der Lage sind, zu tragen.“ (Amtlicher Schulanzeiger für den Regierungsbezirk Niederbayern und Oberpfalz Nr. 6/7 vom August 1947). Für abwechselnd 40 bis 100 Kinder wurde auch in Stulln von der Flüchtlingsfrau Aloisia Pretzl die Schulspeisung zubereitet. Der „Blechnapf“ gehörte für diese Kinder bis 1950 so selbstverständlich zu den Schulsachen wie Schiefertafel und Griffelschachtel.

  Die neue Schule

Als sich die Gemeindefinanzen von der Währungsreform 1948 erholt hatten und die Beschaffung von Baumaterial wieder möglich war, wurde Ende März 1950 mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes begonnen und am 1. Oktober eingeweiht. „So ist die Schulraumnot in Stulln behoben, die Schukinder sind am Montag, dem 2. Oktober 1950, in das neue Schulhaus eingezogen und fühlen sich wohl in den luftigen Räumen mit den neuen bzw. neu hergerichteten Möbeln“ (Aus dem Notizenbuch der Volksschule Stulln). Bürgermeister war damals Jakob Fröhlich, der Wirt von Brensdorf, dessen Engagement für die Stullner Schule in der Chronik besonders lobend hervorgehoben ist. Im Sommer 1952 wurde das Schulgrundstück eingezäunt, im Herbst von den größeren Schülern unter Anleitung ihrer Lehrkräfte bepflanzt. Im Frühjahr 1954 wurde der Bau eines Lehrerwohnhauses in Angriff genommen.

  Der Erweiterungsbau

1953 wurde die Werkssiedlung „Vogelherd“ eingeweiht. Siebzig Familien fanden hier eine Wohnung. Schon bald war die neue Schule zu klein, und der Schulsaal in der alten Schule musste bereits 1955 wieder belegt werden. Bürgermeister Michael Mandl und sein Gemeinderat mussten sich mit einem Erweiterungsbau beschäftigen, den man beim Bau 1950 schon mit eingeplant hatte. „In der Geschichte unseres Gemeinwesens wird der heutige Tag besonders vermerkt werden; denn die Gemeinde Stulln führt innerhalb eines Zeitraumes von 46 Jahren heute die dritte Schulhauseinweihung durch“. Dies sagte u. a. Bürgermeister Adolf Prokisch in seiner Begrüßungsansprache anlässlich der Einweihungsfeierlichkeiten des Schulhauserweiterungsbaus am 20. November 1960.

Freude und Stolz über das gelungene Bauwerk – mit ca. 500.000 DM der teuerste Hochbau, der je von der Gemeinde in Auftrag gegeben wurde – wird auch durch Pressestimmen verdeutlicht: „Wenn man das Gebäude betritt, sieht und spürt man auf den ersten Blick, dass sich die Gemeindeväter von Stulln von dem Grundsatz leiten ließen ‚Für unsere Kinder ist das Beste gerade gut genug‘“ (Der Neue Tag) und  „Stulln hat – das sei ganz neidlos festgestellt – das schönste Schulhaus im Landkreis Nabburg“ (Der Nabburger Volksbote).

Durch den Erweiterungsbau war auch das Problem der Landwirtschaftlichen Berufsschule im Landkreis Nabburg gelöst. Aus zehn Nachbargemeinden kamen rund 110 Berufsschüler nach Stulln, nachdem die Standorte Schwarzenfeld und Schmidgaden aufgelöst wurden. Schulorte, die noch 50 Jahre vorher von Stullnern besucht wurden.

Die Schulreform

Wegen rückläufiger Schülerzahlen und dem Bestreben, Schüler nicht mehr in jahrgangsübergreifenden Klassen zu unterrichten, wie es eben in Landschulen bis dahin üblich war, begann auch in Stulln die Zeit der „Schule auf Rädern“. Schon ab dem Schuljahr 1966/67 wurden die Jahrgänge 5 bis 8 der Volksschule Wölsendorf nach Stulln eingeschult, ein Jahr später folgten die Kleinen. Ein erfreulicher Nebeneffekt für die Kinder aus unseren Gemeindeteilen Grafenricht, Säulnhof und Brensdorf sowie aus den Einödhofen: Ihre langen, beschwerlichen Schulwege hatten ein Ende, denn auch sie wurden jetzt mit dem gemeindeeigenen Bus zur Schule gefahren. 1969 wurde das neunte Schuljahr in Bayern eingeführt. Schrittweise wurden nun die höheren Schülerjahrgänge der Gemeinde Stulln, auch aus den Gemeindeteilen, die bis dahin noch in Schmidgaden unterrichtet wurden, in die Volksschule Schwarzenfeld eingegliedert. Am 1. August 1976 hörte die „Volksschule Stulln“ auf zu bestehen.

  Grundschule Stulln

Im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Landgemeinden konnten die verantwortlichen Gremien erreichen, dass die Schule für unsere Grundschüler erhalten blieb. Dank des Entgegenkommens der Gemeinde Schwarzach und der Schwarzenfelder Schulleitung werden hier, bis auf vereinzelte Ausnahmen, vier Grundschulklassen mit Stullner und Wölsendorfer Kindern unterrichtet.

 

Die Anstrengungen der Gemeinde für die Grundschüler sind enorm: Im Herbst 1992 konnte einer Generalsanierung für knapp 2,9 Millionen Mark die kirchliche Weihe erteilt werden. 1.712.500 DM davon mussten von Stulln als Eigenmittel aufgebracht werden. 1998 wurde die neue Sporthalle, mit den Ausmaßen 27m mal 15m ebenfalls ein Millionenprojekt, ihrer Bestimmung übergeben. Bürgermeister Josef Prüfling hatte beide Projekte initiiert. Nach seinem plötzlichen Tod am 17. März 1992 blieb es Bürgermeister Franz Rauch vorbehalten, die Mehrzweckhalle zu verwirklichen.

Aber auch bei anderen Vorhaben der Gemeindepolitik steht der Erhalt des Schulortes Stulln an vorderster Stelle, wie etwa bei der Ausweisung neuen Baulands, mit der man den Zuzug vor allem junger Familien verbindet, sowie bei den jahrelangen Bemühungen um eine für den Schulbus geeigneten Bahnunterführung in Brensdorf. Dadurch bliebe den Kleinen aus der Gemeinde Schwarzach der Umweg über Schwarzenfeld erspart.

zurück