Ehrenbürger von Stulln

H. H. Erzbischof Dr. Michael Buchberger
Bischof von Regensburg (1927-1961)

(* 6. August 1878  +10.Juni 1961)
Erster Ehrenbürger der Gemeinde Stulln
Ernennung zum Ehrenbürger am 11. März 1958

Unter dem Episkopat des Erzbischofs Dr. Michael Buchberger endete die jahrhundertealte kirchliche Abhängigkeit Stullns von der Pfarrei Schwarzenfeld. Aufgrund der wachsenden Zahl der Gläubigen durch die vielen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Voraussetzungen dafür gegeben. Erzbischof Michael ebnete die Wege für die Errichtung der Expositur Stulln 1951, für die Erhebung der Expositur zur Pfarrkuratie 1958 und schließlich zur Pfarrei am 01. Januar 1961.
Erzbischof Michael machte oft Station in Stulln, auch schon vor dem Krieg, und galt als Bewunderer des „alten Kirchleins“ Sankt Stephanus. Nur durch seine persönliche Zuwendung zu den Gäubigen der Gemeinde waren unserem Seelsorger Melchior Alois Wolf die Vollendung des Friedhofs (1952), der Sankt-Barbara-Kirche (1955) und des kirchlichen Kindergartens (1957) in dieser großzügigen, am künftigen Bedarf orientierten Form und in dieser kurzen Zeitspanne möglich.
Bürgermeister Michael Mandl überreichte in Begleitung einer Abordnung des Gemeinderats Erzbischof Dr. Michael Buchberger die Ehrenbürger-Urkunde in seinem Amtssitz zu Regensburg.

 

Direktor Dipl.-Ing. Ernst Grüter
Geschäftsführer der VAW Flussspatchemie Stulln
(*21.05.1909  +18.Mai 1992)

Mit Direktor Ernst Grüter vollzog sich der Wandel Stullns zum Industriestandort. „Der in Bad Segeberg/Holstein geborene Ernst Grüter kam 1940 in die Oberpfalz, um im Raum Stulln mit den dortigen Flussspatgruben ein modernes chemisches Werk mit Bergbau zu errichten... Der Dipl.-Ingenieur überwand mit seiner stets fortschrittlichen, immer vitalen Lebenseinstellung alle noch so großen Schwierigkeiten. Das Unternehmen wuchs von Jahr zu Jahr. Dass es mit fast 400 Beschäftigten zu einem bedeutenden und vielseitigen Werk im bayerischen Wirtschaftsraum geworden ist, dass es ebenso einen vorzüglichen internationalen Ruf genießt und dass schließlich der ehedem kleine Ort Stulln in den Mittelpunkt wirtschaftlichen Schaffens und Denkens gerückt ist, bleibt einzig das Verdienst von Ernst Grüter und seiner treuen Mitarbeiter“ (Aus der Laudatio anlässlich des 50. Geburtstags des Ehrenbürgers). Ernst Grüter sicherte den Industriestandort Stulln durch die Erschließung neuer Fabrikationssparten, den Anschluss des Betriebs an die Vereinigten Aluminiumwerke AG (VAW) und die Neuinbetriebnahme der Gasbetonproduktion.
Bereits bei der Planung des Werks war der Gedanke, für die Arbeiter eine Wohnsiedlung zu bauen, im Vordergrund betrieblicher Erwägungen gestanden. Unter Direktor Grüter erfolgte 1951 der erste Spatenstich für die Siedlung „Vogelherd“, 1953 wurde ihr die kirchliche Weihe erteilt. Vor allem jene Familien von Betriebsangehörigen, die noch immer in den schäbigen Baracken des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers „Waldfrieden“ menschenunwürdig untergebracht waren, konnten in 72 schöne und gesunde Wohnungen umziehen.
Ohne Ernst Grüter wäre der Bau der gemeindlichen Wasserversorgung für die Ortschaften Stulln und Brensdorf oder die Anlage eines Sportplatzes für den TSV 1954 Stulln zur damaligen Zeit undenkbar gewesen. Direktor Grüter erfreute sich in allen Bevölkerungskreisen größter Beliebtheit und Wertschätzung. Mit der Ernennung zum Ehrenbürger würdigte die Gemeinde Stulln sein geschichtliches Verdienst. Bürgermeister Adolf Prokisch händigte die Urkunde am 22. Dezember 1976 aus.

 

Fabrikant Hanns Bauer
Eigentümer der „Schamotte- und Tonwarenfabrik“
(*24. Mai 1920  +16. März 1986)

Die enge und tiefe Verbundenheit mit den Menschen ‚seiner Heimatgemeinde‘ legte sicherlich den Grundstein für seine großen Leistungen: die großzügige Ziegelspende für den Neubau der Sankt-Barbara-Kirche und des Friedhofs, die Renovierung der Stephanus-Kirche, die ständige wohlwollende Unterstützung der Vereine, Hilfeleistungen, Spenden, gesellschaftsfördernde Zuwendungen und die Erhaltung und der Ausbau der Arbeitsplätze für Arbeitnehmer der engeren und weiteren Heimat ... Der Musiker Hanns Bauer hat in den letzten Monaten seines Lebens den Marsch ‚Gruß an Stulln‘ komponiert und ihn ihr gleichsam als letzten Gruß gewidmet“ (Ortschronik Stulln).
Bürgermeister Josef Prüfling verlieh Hanns Bauer die Ehrenbürgerwürde am 14. September 1979 im Rahmen des Festaktes des 100jährigen Jubiläums der Firmen Bauer und Allkofer.

 

Dipl.-Ing. Hagen Lehnerdt
Geschäftsführer a. D. der VAW Flussspatchemie Stulln
(*8. Mai 1930)

Nach dem verheerenden Einsturz der chemischen Fabrik und des Werkstattbereichs am 14. November 1981 aufgrund eines Oberflächeneinbruchs eines bereits still gelegten benachbarten Flussspat-Bergwerks stand die Existenz des größten Arbeitgebers der Gemeinde auf der Kippe. Dank des persönlichen Einsatzes des Ehrenbürgers konnte bereits 1983 eine der modernsten Flusssäureanlagen wieder in Betrieb gehen. Parallel dazu erfolgte die Modernisierung und der Ausbau des Hebel-Baustoff-Werks. So blieb auch 1987 nach der Schließung der letzten Flussspatgrube im Stullner Revier, der Grube „Hermine“, den Bergleuten der Weg in die Arbeitslosigkeit erspart. Nach der Trennung der VIAG Bonn vom Unternehmensstandort Stulln spaltete Hagen Lehnerdt das Unternehmen in neun eigenständige Firmen auf: Nahezu alle Arbeitsplätze blieben auf diese Weise für die Menschen unserer Gemeinde und ihrer Umgebung erhalten.Die Verbundenheit zu den Ortsvereinen bewies Hagen Lehnerdt durch personelle, materielle und finanzielle Unterstützung sowie durch die Übernahme zahlreicher Schirm- und Ehrenschirmherrschaften.

Bürgermeister Franz Rauch verlieh am 20. Dezember 1994 im Rahmen einer Festsitzung des Gemeinderats der verdienstvollen Unternehmerpersönlichkeit das Ehrenbürgerrecht.