Die Orgel in der Sankt-Barbara-Kirche

Die Entstehungsgeschichte

In der Sankt-Stephanus-Kirche wurden Chor- und Gemeindegesang auf einem alten Harmonium begleitet. Ein Zeitungsartikel gibt seinen Zustand wider: „Das Harmonium in unserer Expositurkirche hat schon verschiedene Male gestreikt und manchmal gar keinen Ton mehr von sich gegeben. H. H. Expositus Wolf trägt sich mit dem Gedanken, ein Pedalharmonium zu beschaffen. Das Instrument gleicht einer Orgel und kann auch einmal in der neuen Kirche Verwendung finden.“

Aber erst am Sonntag, dem 20. Januar 1959, fast vier Jahre nach dem Einzug in die Sankt-Barbara-Kirche, trat der Ankauf eines Kircheninstruments in die entscheidende Phase. Bei der Vorführung einer 36 Register umfassenden Elektronenorgel „erfüllten zum ersten Male volle melodische Klänge einer Orgel die Stankt-Barbara-Kirche“. Expositus Wolf stellte gleichzeitig einen Finanzierungsvorschlag vor. Er ging von einem Kaufpreis von 20.000 DM für eine 40 Register starke Elektronenorgel bzw. für ein halb so starkes Pfeifeninstrument aus. Ein Weg zur Kaufpreisbeschaffung wäre die Aufteilung der Kaufsumme in Registeranteile oder halbe Anteile. Ein solcher Anteil würde 600 DM betragen. Die Abzahlung der Stiftung könnte sich bei monatlichen Raten von 10 DM auf fünf Jahre erstrecken. Allerdings müsse die Sache jetzt mit vollem Ernst in Angriff genommen werden, „damit auch die Kirche in ihrem inneren Aufbau vollendet und die Gottesdienste in einem der Ehre Gottes würdigen Rahmen abgehalten werden können.“ Am 8. Dezember desselben Jahres findet sich folgende Notiz: „Die jahrelang geplante Entscheidung über den Ankauf einer Orgel ist gefallen, der Kirchenrat hat eine Pfeifenorgel bestellt. Mit 4:1 Stimmen wurde der schwerwiegende Entschluss gefasst.“

Der Weihetag

Am 26. Mai 1960, Christi Himmelfahrt und Gedächtnistag der Kirchenkonsekration, sollte  die Orgel zum ersten Mal ertönen. In vierwöchiger Arbeit hatten die Orgelbauer der Firma Guido Nenninger, München, das in ihrer Werkstatt hergestellte Instrument auf dem Chor der Kirche aufgebaut. Nachmittags um 15 Uhr empfing die Orgel, die „Königin der Instrumente“, begleitet von den Liedern des Stullner Kinderchors die kirchliche Weihe. Chordirektor Otto Steinberger, München, stellte sie der Gemeinde vor. „Von Künstlerhand bedient, wird sie klangvoll und mächtig zur Ehre Gottes klingen und die Herzen der Gläubigen erfreuen, erheben und erbauen“, so stand in der Einladung zu dieser Feierstunde zu lesen.
Die Presse lobte das Werk: „Die Orgel ist nach neuzeitlichen technischen Erkenntnissen hergestellt worden, und ihre Gestaltung hat modernen Charakter. In ihrer klaren, schlichten Einfachheit fügt sie sich in den modernen Kirchenraum sehr gut ein und bildet ein schönes Gegenstück zum Hochaltar. Da beim Aufbau auf das farbige Rundfenster an der Kirchenrückwand besonders Rücksicht genommen wurde, bietet sich dem Beschauer das Orgelwerk so dar, als würde die bunte Glasrosette unbedingt zur Orgelansicht gehören... Die gediegene und ansprechende Holzverkleidung führte die Möbelfirma Frauendorfer in Amberg aus. Nach dem Urteil von Fachleuten ist das Instrument sowohl in seiner stimmlich-klanglichen Zusammensetzung wie in seiner äußeren Ansicht sehr gut gelungen.“ Die Kosten beliefen sich auf ca. 40.000 DM.

Umbauten und Renovierungen

Der Spieltisch war ursprünglich seitlich an das Gehäuse des Schwellwerks gebaut. Dies erwies sich aus akustischen Gründen als nachteilig. Außerdem erschwerte es die Chorleitung, wenn der Chor nicht mit dem Rücken zum Altar stehen sollte. So wurde 1974 unter Pfarrer Johann Tausendpfund, als die Orgel gestimmt wurde, auf Initiative des Organisten und Chorleiters Heinz Prokisch der Spieltisch gedreht. Die Kosten beliefen sich auf ca. 1.200 DM. Seitdem sitzt der Organist mit dem Rücken zum Altar, er kann das liturgische Geschehen mittels eines Spiegels beobachten, und der Chor steht auf dem von Herrn Kreusl gefertigten Podest zwischen Orgel und Spieltisch.

1984, gleich nach Amtsantritt von Pfarrer Andreas Ullrich, wurde mit einem finanziellen Aufwand von 21.000 DM die Orgel einer gründlichen Renovierung unterzogen. Die anfälligen Magnet-Registerzüge wurden durch Motore ersetzt, ein neues wartungsfreies und leiseres Gebläse eingebaut, alle Pfeifen gründlich gereinigt und nachintoniert, vor allem die Zungenregister. Das nie genutzte Glockenspiel, weil für liturgisches Orgelspiel wertlos und für den Chorgesang zu aufdringlich, wurde ausgebaut. Die Arbeiten wurden wieder ausgeführt von der Münchener Firma Nenninger, unter der Beratung des Orgelsachverständigen, dem damaligen Regensburger Domorganisten Eberhard Kraus.

Im Herbst 1998 und im Frühjahr 1999 wurde das Instrument nach der gründlichen Außen- und Innenrenovierung der Pfarrkirche erneut gereinigt und gestimmt. Die Subbass-Pfeifen, deren Luftaustrittsöffnungen zur Kirchenrückwand hin gerichtet waren, und der Luft wegen der Enge kaum Platz zum Schwingen blieb, wurden um 1800 gedreht. Ausführende Firma war die Firma Michael Weise, Plattling.

Im Zuge dieser Innenrenovierung wurde in das Gotteshaus eine neue Liedanzeige eingebaut. Der über 20 Jahre alte von Pfarrer Jakob Wolfsteiner angeschaffte Liedanzeigeprojektor hatte ausgedient. Seine Nachteile bestanden hauptsächlich darin, dass bei hellem Sonnenlicht die Ziffern an der Wand kaum zu lesen waren, und in einem kostspieligen Halogenlampenverschleiß.

Das Orgelwerk

Heute stellt sich die Stullner Orgel so dar: Das Pfeifenwerk des Instruments besteht aus 1124 Pfeifen, von denen die größte ungefähr 3 m und die kleinste 5 mm lang ist. Der größte Teil ist aus einer Zinn-Zink-Legierung gefertigt, Gedackt- und Subbass-Register bestehen aus Holz. Das Pfeifenwerk ist teilweise in drei- und vierfacher Mixtur aufgebaut. Das Regierwerk verfügt über eine elektrisch-mechanische Traktur. Unter Traktur versteht man die Verbindungen zwischen den Tasten und den Orgelpfeifen bzw. die Verbindungen zwischen den Registerzügen und den Registern. Der Spieltisch hat zwei Manuale und ein Pedal. Das Hauptwerk (I. Manual) verfügt über sechs Register, das Schwellwerk (II. Manual) über acht. Im Pedal sind drei Register untergebracht. Das Windwerk, ein Schleifladenwerk, wird ebenfalls elektrisch betrieben.


Disposition der Orgel:

Hauptwerk:    Prinzipal           8´                            Schwellwerk:  Gedackt           8´
                          Gemshorn        8´                                                        Salizional          8´
                          Oktav                4´                                                        Prinzipal           4´
                          Waldflöte          2´                                                        Rohrflöte         4´
                          Mixtur                1 1/3´  4-fach                                     Nasat              2  2/3´
                          Trompete          8´                                                        Nachthorn       2´
                                                                                                                Scharf             1´     3-fach
                                                                                                                Dulcian            8´                

Pedal:             Subbass          16´                             Koppeln:          I – P
                         Oktavbass       8´                                                           II – P
                         Choralbass       4´                                                          II – I

Spielhilfen:    Von Hand zu bedienen:                    Fußtritte: 
                         Freie Kombination                                 Crescendo
                         Tutti                                                          Schwellwerk
                         Crescendo ab                                         Piano Pedal
                         Piano Pedal
                         Auslöser
                         Dulcian 8´ ab
                         Trompete 8´ ab

Windladen:                    Schleifladen
Spieltraktur:                  elektrisch
Registertraktur:            elektrisch
 

 
Grundsteinlegung Baugeschichte Glocken Innenansicht Orgel

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