Geschichte der Stullner Sänger

Zaghafte Schritte waren schon Ende der 70-iger Jahre unternommen worden: Xaver Dirrigl, damals noch Mitglied des Kirchenchores, hatte angeregt, mit den Männerstimmen die populäre "Waldlermesse" von Rektor a.D. Ferdinand Neumaier (1890-1969) einzustudieren. In einem Bericht des Neuen Tags über den vorweihnachtlichen Altentag 1977 "überraschten die Männerstimmen mit dem ‚Gloria' aus der Waldlermesse".

Durch Erfolge bestärkt und aus der Notwendigkeit heraus, für das in jenen Jahren vom Pfarrgemeinderat veranstaltete Ausbuttern im Pfarrheim weltliche Lieder parat zu haben, probten wir Männer nun regelmäßig an jedem ersten Freitag im Monat Oberpfälzer Mundartlieder. Die Schallplatte des Landkreises Schwandorf "Vo Bergleit und Bauersleit" war uns dabei eine wertvolle Hilfe. Zunächst trafen wir uns in den Wohnzimmern der Sänger, dann im Pfarrheim und im Schützenheim. Seit 1991 sind wir, nachdem uns der damalige Bürgermeister Josef Prüfling und Kommandant Alfons Fenk die Zustimmung erteilten, im Unterrichtsraum der Freiwilligen Feuerwehr bestens aufgehoben.
 

Die "Hoslbergboum" im
Pfarrheim, 1982

Im Laufe der Zeit schieden Gerhard Bayer, Hans Schmidl, Rudolf Singer, Engelbert Stumfoll und Walter Wabro aus.
 

Ein genaues Gründungsdatum lässt sich also nicht nennen. Der o.a. Zeitungsbericht, aus dem sich ein Hinweis auf ein Gründungsjahr ergeben hätte, wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt. Am 19. Dezember 1982 wurde von uns "Hoslbergboum", wie wir damals von den Leuten scherzhaft genannt wurden, das erste Stullner Adventssingen veranstaltet. So haben wir 1982 als unser "Geburtsjahr" festgelegt und können heuer unser "Zwanzigjähriges" feiern. "Gründungsmitglieder" waren Gerhard Bayer, Willi Bölderl, Hans Bodensteiner, Hans Klar, Michael Prechtl, Burkhard Rübe, Rudolf Singer, Hans Schmidl (Schulstraße), Karl-Heinz Schröder, Michael Stöckerl, Engelbert Stumfoll, Walter Wabro, und Franz Ziegler. Chorleiter Heinz Prokisch übte die Lieder ein und begleitete auf dem Akkordeon.

In der Vorweihnachtszeit 1983 wurde ein neuer Versuch gewagt, und seitdem findet das "Stullner Adventssingen" alle zwei Jahre ausschließlich mit Stullner Mitwirkenden statt. Dabei erhält der "Nachwuchs" Gelegenheit für einen Auftritt: der Kinderchor mit seiner Leiterin Sieglinde Schottenheim und kleine Musikantinnen und Musikanten. 2001 gestaltete erstmals die Singgruppe der Landjugend unter der Leitung von Alexandra Zettl mit erfrischenden rhythmischen Weihnachtsliedern einen eigenen alternativen Programmblock.

Einen "großen Auftritt" erlebten wir bei der Installation von Pfarrer Andreas Ullrich im September 1984 im Pfarrheim. Art und Charakter unseres Gesangs kamen bei der Bevölkerung gut an. Trotz vielerlei weltlicher Auftritte liegt auch heute noch der Schwerpunkt auf der Gestaltung der Liturgiefeier und Veranstaltungen der Pfarrgemeinde. Unser Bemühen findet bei Pfarrer Ullrich stets positive Unterstützung.

Im Advent 1985 hörte uns die ehemalige Stullner Chorleiterin Anneliese Bayer (1954-59) bei einer Abendmesse mit Teilen aus der "Waldermesse" und Adventsliedern und lud uns ein nach Rieden zur Jubiläumsveranstaltung "30 Jahre Anneliese Bayer mit den Riedener Boum im Oberpfälzer Volksliedkreis". Dort trafen wir erstmals Otto Peisl, den damaligen Vorsitzenden des OVK. Der Abend wurde vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet und unser Lied vom "Mariunkerl" bayernweit ausgestrahlt. Die "Stullner Geigenmusi" in der Besetzung Geige (Karl-Heinz Schröder), Akkordeon (Heinz Prokisch) und Gitarre (Hans Klar) spielte den "Walzer aus Tännesberg". Bei dieser Veranstaltung traten wir erstmals in einheitlicher Kleidung auf: schwarze Hose, weißes Hemd, "Wyatt-Earp-Schleiferl" (Jargon Dr. Adolf Eichenseer).
 

In unserem
"Vereinslokal",
Willis Gartenhaus
 

Einladungen folgten: neben der Umrahmung von Hochzeiten, Maiandachten, Klassentreffen, Sitzweilen, Altennachmittagen, zur "Museums-Kirwa" in Neusath, zum "Landkreis-Musik-Fest" nach Nittenau und zum "Schwarzenfelder Spiegelkarpfen". Bei dieser Veranstaltung stellte uns Bezirksheimatpfleger Dr. Adolf Eichenseer, Regensburg, erstmals als "Stullner Sänger" vor. Auch diese Veranstaltung wurde vom Rundfunk übertragen.

1988 feierte Stulln 25-jähriges Pfarrjubiläum. H. H. Bischof Manfred war zu Gast und erteilte den Mädchen und Buben des Schülerjahrgangs 1976/77 die heilige Firmung. Den Eintrag des hohen Gastes in das Goldene Buch der Gemeinde umrahmten wir mit zwei den Symbolen unseres Gemeindewappens angepassten Liedern: "Der Bergmann im schwarzen Gewand" und "Es lebe der edle Bauernstand".

1989 stand das 25-jährige Jubiläum des Hebel-Werks bevor. Der bayerische Wirtschaftsminister August R. Lang hatte seinen Besuch angekündigt. Auch er sollte sich im Rahmen eines Gemeindeempfangs im Goldenen Buch verewigen, eine günstige Gelegenheit, die Anschaffung einer Sängertracht voranzutreiben. Dr. Adolf Eichenseer entwarf sie, einer alten Oberpfälzer Bergmannstracht nachempfunden: blaue Jacke mit schwarzem Kragen und schwarzen Armstulpen, weinrotes Leiberl und schwarze Hose. Seine Mitarbeit garantierte uns 2.000 DM Zuschuss aus Grenzlandmitteln. Auch die Gemeinde Stulln beteiligte sich auf Intervention des Bürgermeisters Josef Prüfling mit 1.215 DM, ebenso der Landkreis Schwandorf und die heimische Industrie. Nur der Verein für Heimatpflege, München, fand eine Klausel, uns die erhofften Mittel zu verweigern.

Im März 1991 wurden wir in den "Oberpfälzer Volksliedkreis" (OVK) aufgenommen. Dem folgte die Teilnahme am überregionalen Sänger- und Musikantentreffen auf dem Schwarzwirberg, am Marienlob in Rötz und Perschen und am Adventssingen in Neunburg v.W.

Im Mai 1992 lud uns die Regierung der Oberpfalz zum Marienlob nach Speinshart und in die Obermünsterruine nach Regensburg ein. Es waren die letzten Veranstaltungen dieser Art, die der aus dem Amt scheidende Bezirksheimatpfleger Dr. Adolf Eichenseer zusammen mit dem in der Zwischenzeit verstorbenen Generalvikar a.D. und Protonotar Fritz Morgenschweiß gemeinsam organisierte. Beide Einladungen sind für uns ein nachhaltiges Erlebnis.
 

Unser 10-Jähriges
am 07. November 1992
 

Am 7. November desselben Jahres feierten wir mit einem "Sänger- und Musikantentreffen" unser 10-jähriges Bestehen. Die "Schwandorfer Stadtstreicher", das "Pauker-Trio" aus Wernberg, die "Klardorfer Sänger" und Anneliese Bayer mit den "Riedener Boum", den "Amberger Moidln", einem Kinderduo und Karl Kohl mit seiner Diatonischen gehörten zu den Gratulanten. Kreisheimatpfleger Alois Gillitzer überbrachte die Glückwünsche des Landkreises und überreichte uns zehn Lieder als Geschenk. Die "Schwoarz´n Aigerla", zwei Strophen des Liedes stammen aus seiner Feder, gehören seitdem zu unseren Lieblingsliedern.

1990 wurde die Tonkassette "Grüße an die Heimat" mit von Fabrikant Hanns Bauer komponierten und getexteten Märschen erstellt. Den Gruß an unsere Heimatgemeinde "Stulln, du liebe alte Gmoi" durften wir singen. Das Blasorchester des Bundesgrenzschutzes unter der Leitung von Willy Nicolay, Schwandorf, hatte die Musik vorher aufgenommen. In einem "Tonstudio" wurden unsere Stimmen dazu gemixt. Offensichtlich waren die Leute damit überfordert, denn von der technischen Qualität dieses Produkts sind wir sehr enttäuscht. Wie es professionell gemacht wird, erlebten wir in Nürnberg. Dort nahmen wir am 2. März 1996 an Aufnahmen teil für "Pro Musica", Musik aus dem Landkreis Schwandorf für den aus dem Amt scheidenden Landrat Hans Schuierer. Mit dem Bergmannslied "Glück auf, läibe Bergleit" und dem Egerländer Liebeslied "Unter dem Epflbirnbam" sind wir auf dieser Landkreis-CD "verewigt". Am 10. November 1995 waren wir bei Fritz Mayr, dem Volksmusikabteilungsleiter des Bayerischen Rundfunks, in Schwarzenfeld zu Archivaufnahmen. Mit Liedern daraus gratuliert uns Hans Klar über den Sender "Bayern 2" schon morgens um 6:30 Uhr in der Sendung "Heimatspiegel" über den Äther zu runden Geburtstagen.

Hans Klar, seit 1992 auch Ortsheimatpfleger unserer Gemeinde, erweist sich für uns als besonderer Glücksfall. Er versteht es ausgezeichnet, mit Witz und mit feinem Humor unsere Auftritte und Veranstaltungen zu "moderieren". Seine selbst verfassten Texte und Gedichte vo de Stullner Leit´ und über Stullner Kuriositäten wären wohl einer Veröffentlichung wert.

Hans führt auch unsere Chronik. In nahezu jedem Eintrag ist die Intention der "Stullner Sänger" spürbar: Ausgleich zum beruflichen Alltag und Geselligkeit, Pflege unserer Mundart und unseres Liedgutes, damit Freude bereiten und dabei Freude empfinden. Hier ein Auszug über die Abendveranstaltung des Kongresses der Landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen (LFA), die aus ganz Bayern damals in den Regierungsbezirk Oberpfalz nach Kötzting gekommen waren: "Donnerstag, 08. Juni 2000: Mitten im Alltag müssen wir uns die Montur anziehen und nach Kötzting reisen. Vorher proben wir noch im Gastzimmer unseres Wirtes, das auch die Stellvertreterin des Landrates MdL Marianne Schieder zu einem Weizen an der Theke aufsucht und uns alles Gute mit auf den Weg gibt. Mit zwei Autos (Michael Prechtl und Bölderl Willi) steuern wir alsdann die Waldlerstadt an, wobei den Bölderl-Mercedes Butler Karl Heinz Schröder chauffiert. Tja, es ist schon etwas besonderes, mit so einer Nobelkarosse vor einem Tagungshotel vorzufahren. Nach der Begrüßungsansprache durch Herrn Direktor Josef Schneider vom Landwirtschaftsamt Nabburg und der üblichen Zeitverzögerung begrüßen wir die Gäste mit dem Lied "Nun merket auf und seid fein still ...", das gleich Eindruck hinterlässt. Nach weiteren diversen Reden geben wir der Versammlung mit unserem ersten Block den notwendigen Rahmen. Man merkt es den VIPs an, dass sie nicht alles verstehen, aber bekanntlich ist Musik ja international. Und die gefällt, wie es nicht nur der anwesende Europa-Abgeordnete Edgar Josef Schiedermeier spontan ausdrückt. Nach dem Essen mit Suppe und Hauptgericht treten wir noch einmal zu einem etwa 15-Minuten-Auftritt an. Zwischen den Liedern erzählt Hans vom einfachen Leben und von der Sprache der Oberpfälzer. Woran mag es nur gelegen haben, dass Karl Heinz, der dankenswerter Weise aus er Tschechei angereist ist, beim Lied vom Bauerndorf den Text vergessen hat. So eine Mercedes-Fahrt an verantwortlicher Position schlaucht anscheinend doch! Während wir die Nachspeise genießen, singen die Chamer Moidla, die wir von früheren Auftritten kennen. Ohne die Spielbank besucht zu haben, machen wir uns auf den Heimweg. Es war nicht nur wegen des Essens und der großzügigen Gage ein Meilenstein in unserer Sängergeschichte. Wir haben die Oberpfalz würdig vertreten. Stinken wird es dem Franz, der kurzfristig aus beruflichen Gründen absagen musste. So ein gutes Essen und so viel. - Na? Stinktada?

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